Es klingt paradox, doch Schnee ist ein hervorragender Isolator. Im Inneren einer gut gebauten Schneehöhle bleibt die Temperatur nahe null Grad, während draußen zweistellige Minusgrade herrschen und der Wind schneidet. Wer bei einer Wintertour in Not gerät und keine Hütte erreicht, kann sich mit einer Schneehöhle das Leben retten. Wichtig ist, ruhig und überlegt vorzugehen.

Im Inneren einer gut gebauten Schneehöhle
Im Inneren einer gut gebauten Schneehöhle bleibt es nahe null Grad, während draußen der eisige Wind schneidet.

Den richtigen Ort wählen

Nicht jeder Schneehaufen eignet sich. Du brauchst eine ausreichend dicke, feste Schneeschicht, etwa an einem Hang oder einer Wechte. Meide lawinengefährdete Steilhänge und Stellen unter überhängendem Schnee. Ein sicherer, windgeschützter Platz ist die halbe Miete.

  • Feste, tiefe Schneeschicht an einem sanften Hang suchen.
  • Lawinengefahr und überhängende Wechten meiden.
  • Windrichtung beachten, der Eingang zeigt vom Wind weg.
  • Vor dem Graben Werkzeug, Schaufel oder notfalls Kochtopf bereitlegen.
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Tipp: Steche mit einem Stock ein kleines Luftloch durch die Decke und isoliere dich mit Isomatte oder Zweigen vom Boden, denn die Kälte zieht von unten am stärksten.

So gräbst du die Höhle

Grabe zunächst einen schmalen Tunnel waagerecht in den Hang. Danach höhlst du nach oben und zur Seite einen Schlafraum aus, der etwas höher liegt als der Eingang. Dieser Trick ist entscheidend: Warme Luft steigt und sammelt sich im höher gelegenen Schlafbereich, während kalte Luft nach unten zum Eingang abfließt. So bleibt es dort, wo du liegst, spürbar wärmer.

Halte die Decke gewölbt und mindestens 30 Zentimeter dick, damit sie stabil bleibt. Glätte die Innenwände, damit Schmelzwasser an den Seiten abläuft und nicht auf dich tropft. Der Raum muss nur so groß sein, dass du liegen und sitzen kannst. Je kleiner die Höhle, desto besser hält sie die Wärme.

Luft und Wärme

Ein Punkt ist lebenswichtig: die Belüftung. Steche mit einem Stock ein kleines Loch durch die Decke, damit frische Luft nachströmt und verbrauchte entweicht. Ohne dieses Loch drohen Sauerstoffmangel und, falls du drinnen kochst, eine Kohlenmonoxidvergiftung. Kontrolliere das Loch regelmäßig, damit es nicht zuschneit.

Isoliere dich unbedingt vom Boden. Kälte zieht von unten am stärksten. Lege Tannenzweige, einen Rucksack oder eine Isomatte unter dich. Eine Kerze im Inneren spendet erstaunlich viel Wärme und Licht, achte aber auf ausreichend Frischluft.

Sicher durch die Nacht

Bewege dich in der Höhle vorsichtig, damit du die Decke nicht beschädigst. Markiere den Eingang von außen mit einem Stock oder etwas Farbigem, damit man dich findet und du selbst wieder hinausfindest, falls es zuschneit. Halte deine Schaufel griffbereit, um dich notfalls freigraben zu können.

Halte deine Schaufel immer griffbereit, um
Halte deine Schaufel immer griffbereit, um dich notfalls wieder freigraben zu können, falls der Eingang zuschneit.

Nur wenn es sein muss

Eine Schneehöhle zu bauen kostet Kraft und Zeit, meist ein bis zwei Stunden. Beginne früh, bevor Erschöpfung und Dunkelheit einsetzen. Trockne verschwitzte Kleidung, denn nasse Sachen kühlen dich aus. Am besten übt man das Prinzip einmal in sicherer Umgebung. Wer die Grundregeln kennt, hat im Notfall einen echten Trumpf gegen die winterliche Kälte in der Hand.